Schutz der Vitalzonen: Warum Hals- und Schulterplatten die wichtigste Zutat für Eure Deckung sind
Es gibt am menschlichen Körper genau eine Stelle, an der ein Treffer sofort tödlich sein kann, ohne dass Kraft dahinterstecken muss — und sie liegt zwischen Helmrand und Brustpanzer. Jede andere Zone verzeiht einen Fehler: Ein Schlag auf den Arm tut weh, ein Treffer auf die Brust nimmt die Luft, ein Hieb aufs Bein wirft um. Der Hals verzeiht nichts. Deshalb ist das hier — und nicht der Brustpanzer — das erste Stück Stahl, das Ihr kaufen solltet.
Der Grund für die Lücke ist bauartbedingt: Der Helm muss sich drehen können, der Brustpanzer muss stillstehen. Zwischen beidem bleibt zwangsläufig ein Spalt, und genau in diesen Spalt läuft ein Hieb, der vom Helm abgleitet. Ein Kragen schliesst ihn — und er tut noch etwas Zweites, das oft unterschätzt wird: Er trägt. Die Schulterstücke einer Plattenrüstung sind schwer, und ihr Gewicht will nicht am Oberarm hängen, sondern über Schlüsselbein und Rücken abgeleitet werden. Ein guter Kragen ist deshalb weniger ein Schutzstück als ein Fundament: Er ist der Punkt, an dem Eure gesamte Oberkörperpanzerung zusammenläuft.
Und weil hier gespart zu haben besonders weh tut, gleich die wichtigste Angabe: Unsere Stücke gibt es in 1 mm, 1,2 mm und 1,6 mm. Ein Millimeter ist die LARP- und Kostümstärke — leicht, bezahlbar, optisch stark, aber nicht für Vollkontakt. 1,2 mm ist solides Reenactment. 1,6 mm ist die Stärke, in der ernsthaft gefochten wird. Prüft bei jedem Artikel die Angabe Einsatzbereich: Sie unterscheidet zwischen Kostüm, LARP, Reenactment, Training, Schaukampf (leicht) und Schaukampf (schwer) — und nur was ausdrücklich für „schwer" ausgewiesen ist, gehört in den harten Kontakt. Was die Klassen bedeuten, steht auf unserer Seite zur Schaukampf-Klassifizierung.
Lückenschluss mit System: Ringkragen kaufen und Halsbergen montieren
Hier liegt die Entscheidung, die den ganzen Aufbau prägt — und die drei Begriffe, die sie beschreiben, werden fast überall durcheinandergeworfen. Wir trennen sie sauber:
Der Ringkragen ist die kompakte Form: ein zweiteiliger Ring aus Brust- und Rückenplatte, der über Kehle, Nacken und Schlüsselbein liegt und seitlich verschlossen wird. Er ist leicht, er lässt den Kopf frei drehen, und er ist der klassische Träger für Schulterstücke. Bei uns: der Ringkragen 15. Jahrhundert, der Gotische Ringkragen in 1,2 mm sowie die Fantasy-Linien Ringkragen Warrior, Warrior Epic Dark und Dark Drake.
Die Halsberge ist die grössere Lösung: Sie reicht weiter über Brust und Rücken hinunter, deckt mehr Fläche und schliesst die Lücke zum Brustpanzer vollständiger — dafür schränkt sie das Kinn stärker ein. Der Name verrät ihre Herkunft: Mittelhochdeutsch halsberc heisst schlicht „Halsbergung", von bergen im Sinne von schützen — und aus genau diesem Wort ist über das Altfranzösische das englische hauberk geworden, die Bezeichnung für das lange Kettenhemd. Ursprünglich meinte der Begriff also Geflecht, nicht Platte; erst im Spätmittelalter wanderte er auf das Stahlstück über. Bei uns findet Ihr sie als Hochmittelalter Halsberge 13. Jahrhundert, Gotische Halsberge in 1,2 und 1,6 mm, Mittelalterliche Halsberge, Klappbare Halsberge — deren Scharnierverschluss das Anlegen allein möglich macht — sowie als Halsberge mit Nieten, auch in der geschwärzten Epic-Dark-Ausführung.
Wenn Ihr Euch nicht entscheiden könnt, nehmt die Kombination. Zwei Stücke unseres Sortiments lösen beides in einem: die Spätmittelalterliche Halsberge mit Ringkragen aus 1,6 mm Stahl — die schwerste und vollständigste Lösung dieser Kategorie — und der Gotische Ringkragen mit Schulterplatten, bei dem Kragen und Schultern bereits aufeinander abgestimmt geliefert werden. Das erspart Euch das häufigste Problem beim modularen Aufbau: Schulterstücke, die zwar gut aussehen, aber an dem Kragen, den Ihr besitzt, nirgends sauber angebunden werden können.
Aus der Antike kommt der Gladiatoren Kragen — das Prinzip ist nämlich deutlich älter als der Ritterharnisch. Und wer die Verbindung nach unten sucht: Der Kragen sitzt über dem Brust- und Rückenpanzer, unter dem Helm und immer über einem Gambeson.
Massive Flanken: Mittelalter Schulterplatten aus Stahl
Bei Schulterstücken gibt es eine einzige Frage, die über Schutz oder Show entscheidet — und sie steht in keinem Produktnamen: Deckt das Stück die Achselhöhle? Denn die Schulterkuppe zu panzern ist einfach; die Achsel zu schliessen ist die eigentliche Kunst. Genau dort, wo der Arm ansetzt, liegt eine der klassischen Schwachstellen jeder Rüstung, und historisch wurde sie fast nie durch Platte gelöst, sondern durch Kettengeflecht: Achselbrünnen und Panzerärmel schlossen die Lücke, weil sie mitgingen, wenn der Arm sich hob. Wer eine Rüstung ernsthaft dichtmachen will, kombiniert seine Schulterplatten deshalb mit den Kettenteilen für Arme & Hände — Platte über Geflecht über Textil, genau in dieser Reihenfolge.
Innerhalb dieser Logik ist die Auswahl breit. Historisch: Schulterplatten aus 1,6 mm Stahl, Mittelalter Schulterplatten in 1,6 mm, Mittelalterliche und Gotische Schulterplatten in 1,2 mm sowie die Plattenschultern Churburg, benannt nach der Südtiroler Burg, deren Rüstkammer die bedeutendste erhaltene Sammlung des 14. und 15. Jahrhunderts beherbergt. Für Fantasy und LARP: Schulterplatten Warrior, Giant Warrior, Mercenary, Dark Drake, Plünderer — und die geschwärzten Epic Dark-Varianten für die dunkle Ritterdarstellung.
Zwei praktische Hinweise, die man sonst erst nach dem ersten Einsatz lernt. Erstens: Schulterstücke sind fast immer in Einheitsgrösse gefertigt und werden über Riemen an Kragen und Brustpanzer angebunden — die Passform entsteht also beim Anpassen, nicht beim Bestellen. Nehmt Euch dafür Zeit, und macht es mit dem Gambeson, den Ihr tragen werdet. Zweitens: Prüft die Bewegungsfreiheit über der Waagerechten. Ein Schulterstück, das den Arm nur bis Schulterhöhe zulässt, nimmt Euch die Oberhut — also genau die Deckung gegen den Hieb von oben, gegen den Ihr Euch eigentlich rüstet.
Und ein Hinweis in eigener Sache: Diese Kategorie heisst „Kopf, Hals & Schultern", der Kopf selbst wird hier aber nicht ausgerüstet. Helme führen wir gesondert — nach Epochen, nach Kulturen, aus Fantasy & Film und als Lederhelme. Was zwischen Helm und Kopf gehört — Bundhauben, Polsterhauben, Helmteile —, findet Ihr bei Bundhauben & Helmteile. Und dieses Zwischenstück ist kein Zubehör, sondern Pflicht: Ein Helm ohne Polsterung darunter sitzt nicht, wackelt bei jedem Schlag und gibt die Wucht ungebremst weiter.
Die leichte Alternative zu allem hier steht bei den Lederrüstungen für Kopf, Hals & Schultern — kein Ersatz für Stahl im harten Kontakt, aber die richtige Wahl für Darstellung, Lager und lange Tage.
Werterhalt durch ritterliche Pflege: So bleibt Euer Hals- und Schulterschutz einsatzbereit
Der Kragen ist das Rüstungsteil mit dem grössten Rostproblem — und zwar nicht aussen, sondern innen. Er sitzt direkt an der Atemzone, er fängt Kondensfeuchtigkeit und Schweiss vom Nacken, und die Innenseite sieht niemand. Wer nur die glänzende Aussenfläche poliert, findet den Rost erst, wenn er sich durchgearbeitet hat.
Der Ablauf nach jedem Einsatz, in dieser Reihenfolge: Erstens — das Stück abnehmen und die Schulterriemen lösen, statt alles im Ganzen wegzustellen. Zweitens — innen zuerst trockenreiben, dann aussen, besonders um die Scharniere und unter den Verschlüssen. Drittens — einen dünnen Ölfilm auftragen; Ballistol Universalöl ist dafür Standard und günstig. Dünn heisst wirklich dünn, denn ein dicker Film bindet Staub und wird zur Schleifpaste. Viertens — offen und luftig lagern, nie in geschlossener Kiste oder eingewickelt. Alles Nötige findet Ihr unter Pflege & Reinigung, die ausführliche Anleitung auf unserer Seite Reinigung & Pflege. Ist Flugrost schon da, löst ihn ein Entroster, ohne den gesunden Stahl anzugreifen — rohe Gewalt mit Schmirgel nimmt Material weg, das nicht zurückkommt.
Der eigentliche Schwachpunkt ist aber nicht der Stahl, sondern das Leder. Ein Kragen bleibt nicht geschmeidig — er ist ein Blech. Geschmeidig bleiben müssen die Riemen, mit denen die Schulterstücke daran hängen, und genau diese arbeiten bei jedem Anlegen und jedem Treffer. Sie sind das Teil, das als Erstes reisst, und ein gerissener Schulterriemen mitten im Gefecht lässt die Platte verrutschen — womit sie nicht nur nichts mehr schützt, sondern die Armführung blockiert. Prüft die Lochreihen vor jeder Saison auf Einrisse, fettet die Riemen wie Rüstungsleder und tauscht sie aus, bevor sie versagen. Ersatzriemen, Schnallen und Nieten findet Ihr bei den Rüstungsteilen, ein Rüstungsständer hält alles luftig und formstabil.
Drachenhort – Schweizer Shop für Kopf-, Hals- und Schulterpanzer aus Platte
In der Schweiz erreichte der Plattenharnisch seinen Höhepunkt genau in der Zeit, in der die Eidgenossen ihn am häufigsten erbeuteten statt kauften — zwischen den Burgunderkriegen und der Schlacht bei Dornach 1499, mit der der Schwabenkrieg endete. Die guten Stücke kamen damals über den Gotthard aus Mailand. Heute kommen sie aus unserem Lager im Kanton Bern, und das ist bei dieser Warengruppe ein handfester Vorteil: Kragen und Schulterstücke sind schwer und sperrig, und eine Auslandsbestellung verwandelt mit Zoll, Einfuhrsteuer und Speditionsaufschlag einen guten Preis schnell in einen schlechten. Was sofort lieferbar ist, verlässt unser Lager in der Regel am nächsten Werktag.
Und bei keinem anderen Rüstungsteil bringt Anprobieren so viel wie hier — denn der Kragen muss mit dem Helm zusammenpassen, den Ihr bereits besitzt, und diese Kombination kann kein Produktbild zeigen. In unserem Showroom in Kirchberg legt Ihr Kragen und Schulterstücke an, setzt den Helm auf, dreht den Kopf und hebt die Arme über die Waagerechte — und wisst danach mehr als nach einer Stunde Recherche. Bringt Euren Helm und Euren Gambeson mit; das ist der einzige ehrliche Test. Alle Masse findet Ihr in unseren Grössentabellen, für Vereine und Veranstalter gelten unsere Mengen- & Firmenrabatte.
Ob Ihr wissen wollt, wie Schulterstücke an Eurem Brustpanzer angebunden werden, ob Ringkragen oder Halsberge zu Eurem Helm passt, oder welche Materialstärke Euer Verein vorschreibt: Fragt uns. Wir tragen dieses Zeug selbst — und sagen Euch auch dann ehrlich, was Ihr braucht, wenn die ehrliche Antwort lautet, dass ein gut sitzender Kragen mehr wert ist als das dritte Paar Schulterplatten.

