Der Aufbruch in eine neue Welt: Legendäre Helme der Neuzeit
Ab etwa 1500 verliert der Helm einen Kampf, den er tausend Jahre lang gewonnen hatte. Gegen die Muskete half kein Stahl mehr — jedenfalls nicht in einer Stärke, die man den ganzen Tag auf dem Kopf tragen konnte. Die Rüstungskunst reagierte darauf nicht mit Rückzug, sondern mit einer Neuausrichtung: Wenn der Helm den Kopf nicht mehr gegen alles schützen kann, dann schützt er ihn gegen das, was noch trifft — Säbelhiebe der Reiterei, Steine, Splitter, Regen — und übernimmt dafür eine zweite Aufgabe, die vorher nebensächlich war: Er zeigt an, wer Ihr seid.
Genau deshalb sind die Helme dieser Epoche die bequemsten, die wir führen. Sie sind offen, sie lassen Sicht und Gehör, sie wiegen wenig — und sie sind trotzdem sofort erkennbar. Wer aus dem Mittelalter kommt und den ersten Morion oder eine Sturmhaube aufsetzt, merkt den Unterschied in fünf Sekunden.
Zwischen Schutz und Repräsentation: Was Reenactor und Sammler wissen wollen
Zur Kammform des Morion: Der hohe Kamm ist kein Schmuck, sondern ein Träger. Er wirkt wie eine Rippe über der Glocke und macht das Blech bei gleichem Gewicht erheblich steifer — dieselbe Logik wie die Kannelierung an einem gotischen Harnisch. Dazu kommt die hochgezogene Krempe: Sie leitet einen Hieb von der Seite ab, hält den Regen vom Nacken fern und lässt den Träger nach oben schauen, ohne den Kopf weit in den Nacken legen zu müssen. Das war für den Musketier entscheidend, der zum Laden auf sein Rohr blickte, und für den Pikenier, der die Spitzen der gegnerischen Reihe im Auge behalten musste. Bei uns findet Ihr zwei Bauarten: den Deutschen Morion Helm 16. Jahrhundert mit ausgeprägtem Kamm und den Spitzen Morion Helm 16. Jahrhundert.
Und dazu eine Einordnung, die man selten liest, weil sie einem populären Bild widerspricht: Der Morion gilt landläufig als Helm der spanischen Konquistadoren — tatsächlich ist das weitgehend eine Zuschreibung des 19. Jahrhunderts. Die Männer von Cortés und Pizarro trugen in den 1520er- und 1530er-Jahren überwiegend den flacheren Cabasset; der hohe Kammmorion wird erst danach zur europäischen Massenausrüstung der Pike-and-Shot-Infanterie. Unsere beiden Modelle sind denn auch als deutsche Typen des 16. Jahrhunderts geführt, nicht als spanische — was sie für eine Landsknecht- oder Söldnerdarstellung im Alten Reich genau richtig macht.
Zur Sturmhaube — im Französischen Bourguignotte, bei uns Burgonet: Sie ist der Gegenentwurf zum geschlossenen Helm und beantwortet die Frage nach dem Komfort von selbst. Ein fester Augenschirm, bewegliche Wangenklappen und ein geschobener Nackenschirm decken alles, was im Reitergefecht getroffen wird, und lassen Gesicht und Atemluft frei. Wir führen sie in zwei Ausbaustufen: die Sturmhaube Burgonet 16. Jahrhundert aus 2 mm Stahl — das schwerste und massivste Stück dieser Kategorie — und die Geschlossene Sturmhaube Burgonet 17. Jahrhundert, bei der ein zusätzliches Gesichtsteil den Schutz nach vorn erweitert.
Und die Zischägge verdient eine genauere Herkunftsangabe, als sie üblicherweise bekommt: Ihr Name geht auf das türkische çiçak zurück. Sie kam über das Osmanische Reich nach Ungarn und Polen und wurde von dort zum Standardhelm der europäischen Kavallerie des Dreissigjährigen Krieges. Erkennbar ist sie am verschiebbaren Nasenschieber, der sich im Gefecht herunterstellen und danach hochschieben lässt — die eleganteste Lösung des ganzen Jahrhunderts für den alten Konflikt zwischen Sicht und Deckung. Bei uns steht sie als Zischägge 17. Jahrhundert.
Bei den Pickelhauben trefft Ihr eine Materialentscheidung, die historisch etwas bedeutet. Das Original von 1842 war aus gepresstem, gekochtem Leder mit Messingbeschlägen gefertigt — leicht, günstig, formstabil. Ganzmetallausführungen kamen später und blieben bestimmten Truppen vorbehalten. Wir führen beides: die Pickelhaube Preussische Infanterie 19. Jahrhundert aus Leder und die Pickelhaube Preussen 19. Jahrhundert aus Stahl. Wer die Infanterie des 19. Jahrhunderts darstellt, greift zur Lederversion; wer ein robustes Ausstellungsstück will, zur Stahlversion.
Von den Schweizer Reisläufern bis zur Linieninfanterie: Einsatzbeispiele
Für Schweizer Darsteller gibt es in dieser Kategorie einen Anknüpfungspunkt, den kein anderes Land hat. Die Päpstliche Schweizergarde, 1506 gegründet, trägt bis heute den Morion als Paradehelm — dieselbe Bauform, die Ihr hier kaufen könnt, ununterbrochen im Dienst seit über fünfhundert Jahren. Wer einen Gardisten oder einen eidgenössischen Reisläufer des 16. Jahrhunderts darstellt, ist mit einem Morion also nicht ungefähr richtig, sondern genau richtig.
Ein Datierungshinweis dazu, weil er in Beschreibungen gern durcheinandergerät: Die Zischägge gehört nicht zum Reisläufer des 16. Jahrhunderts. Sie ist ein Kavalleriehelm des 17. Jahrhunderts und kommt erst mit dem Dreissigjährigen Krieg nach Mitteleuropa — rund hundert Jahre nach Marignano und Novara. Wer die Zeit der Landsknechte und Reisläufer darstellt, nimmt Morion oder Sturmhaube; wer den Dreissigjährigen Krieg darstellt, nimmt Zischägge oder Burgonet. Die passende Ausrüstung dazu findet Ihr bei den Brust- und Rückenpanzern — die Halbrüstung ohne Beinzeug ist für beide Epochen die historisch richtige Wahl — sowie bei den Stangenwaffen und Degen & Rapieren. Wo Ihr das ausführen könnt, sammeln wir im Mittelalterkalender.
Für LARP und Cosplay ist die Neuzeit eine unterschätzte Fundgrube: Morion und Burgonet sind die Helme der Musketiere, Piraten, Freibeuter und Stadtwachen — offen genug, dass man das Gesicht des Charakters sieht, und trotzdem unverkennbar. Und für Sammler militärhistorischer Objekte schlägt die Pickelhaube die Brücke ins 19. Jahrhundert; auf einem Helmständer wird sie zum Blickfang, der jede Sammlung datiert. Die frühere Stufe dieser Entwicklung — Schaller, Beckenhaube, Eisenhut — findet Ihr im Spätmittelalter, die weiteren Lederstücke bei den Lederhelmen.
Qualität für Geschichtsbewusste: Warum sich hochwertige Neuzeit-Repliken lohnen
Bei den Helmen dieser Epoche entscheidet die Treibarbeit über alles — und das ist keine Floskel, sondern folgt aus der Bauweise. Ein Morion besteht aus einer einzigen Glocke mit hochgezogenem Kamm und ausgestellter Krempe: Diese Form muss aus dem Blech herausgetrieben werden, sie lässt sich nicht zusammensetzen und nicht verstecken. Genau deshalb sieht man einem Morion sofort an, wie gut er gemacht ist: Der Kamm muss sauber mittig sitzen, die Krempe gleichmässig auslaufen, und die Kante gehört umgebördelt oder mit Draht verstärkt. Bei der Sturmhaube und der Zischägge kommt der bewegliche Teil dazu — prüft, ob sich die Wangenklappen und der Nasenschieber leichtgängig und ohne Spiel bewegen lassen und in der gewünschten Stellung halten.
Die Materialstärke reicht in dieser Kategorie von 1,2 mm bis 2 mm, das Material von Stahl über Messing bis Leder. Verlasst Euch dabei nicht auf die Optik, sondern auf die Angabe Einsatzbereich im Artikel: Sie unterscheidet zwischen Dekoration, Geschenk, Kostüm, LARP, Reenactment, Training, Schaukampf (leicht) und Schaukampf (schwer). Was die Klassen bedeuten, erklären wir auf unserer Seite zur Schaukampf-Klassifizierung. Und auch der offenste Helm braucht eine Polsterung darunter — ohne sie sitzt er nicht, wackelt bei jedem Schritt und gibt die volle Wucht weiter. Rechnet zwei bis drei Zentimeter beim Kopfumfang dazu; unsere Stücke reichen bis etwa 63 cm. Passende Einlagen findet Ihr unter Bundhauben & Helmteile.
Die Pflege verlangt bei dieser Kategorie zwei völlig verschiedene Handgriffe, je nach Material. Stahl: nach jedem Einsatz innen zuerst trockenreiben, dann aussen, besonders in der Kammfalte und unter den Wangenklappen, danach ein dünner Ölfilm. Leder ist die genaue Gegenprobe: Eine Lederpickelhaube trocknet langsam bei Raumtemperatur, niemals auf der Heizung oder in der Sonne, wird trocken abgebürstet statt gewaschen und nur sparsam gefettet — zu viel Fett macht das gepresste Leder weich und es verliert seine Form. Die Messingbeschläge behandelt Ihr getrennt, damit sich darunter kein Fett sammelt. Alles Nötige steht unter Pflege & Reinigung, die vollständige Anleitung auf unserer Seite Reinigung & Pflege. Ersatzriemen und Nieten findet Ihr bei den Rüstungsteilen — und der Kinnriemen ist auch hier das Teil, das als Erstes reisst.
Drachenhort – Schweizer Shop für Helme der Neuzeit
Wir versenden direkt aus unserem Schweizer Lager. Das erspart Euch Zoll, Einfuhrsteuer, Importgebühren und lange Wartezeiten — und macht eine Rücksendung, falls die Grösse doch nicht passt, zu einer Sache von Tagen statt Wochen. Was sofort lieferbar ist, verlässt unser Lager in der Regel am nächsten Werktag; bei Bestellartikeln nennen wir die Lieferfrist offen auf der Produktseite, statt Euch raten zu lassen.
Und weil die Helme dieser Epoche fast alle in Einheitsgrösse gefertigt sind, ist der Kopfumfang hier das einzige Mass, das zählt — und das eine, das man vorher nachmessen sollte. In unserem Showroom in Kirchberg setzt Ihr die Stücke auf, klappt die Wangenklappen zu, schiebt den Nasenschieber herunter und merkt in wenigen Sekunden, wie gross der Unterschied zu einem geschlossenen Mittelalterhelm wirklich ist. Alle Masse findet Ihr in unseren Grössentabellen; für Vereine, Ensembles und Veranstalter, die eine ganze Kompanie einheitlich ausstatten, gelten unsere Mengen- & Firmenrabatte.
Ob Ihr Fragen zur historischen Einordnung habt, wissen wollt, ob Morion oder Zischägge zu Eurem Darstellungsjahr passt, oder ob die Leder- oder die Stahlpickelhaube die richtige Wahl ist: Fragt uns. Wir tragen dieses Zeug selbst — und sagen Euch auch dann ehrlich, was Ihr braucht, wenn die ehrliche Antwort das günstigere Stück ist.

